Tagebücher

Die in der Frühzeit meist eigenhändig geführten, seit 1797 überwiegend diktierten Tagebücher dokumentieren bis zu Goethes Tod 1832 ein reiches und kommunikatives Leben. Sie zeigen Goethe unter anderem als Dichter, Naturforscher, Gesprächs- und Korrespondenzpartner, als Beamten, Lesenden, Reisenden sowie als Beobachter und Kommentator seiner Zeit. Auf faszinierende Weise vermitteln sie einen Eindruck davon, wie die Facetten von Leben und Werk zusammenspielen, sich wechselseitig bedingen, ergänzen und bereichern.

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Cover des Druckbuchbandes IX
Zuletzt im Druck erschienen:
Johann Wolfgang Goethe: Tagebücher. Historisch-kritische Ausgabe. Band IX, 1 und 2 (Text und Kommentar). 1823-1824. Herausgegeben von Margrit Glaser, Johannes Korngiebel und Ariane Ludwig unter Mitarbeit von Luise Grabolle und Judith Gloria Pörschke. Heidelberg, Berlin: J. B. Metzler, 2024.

Goethes Tagebücher auf der PROPYLÄEN-Plattform

Die historisch-kritische Edition von Goethes Tagebüchern wird schrittweise auf der PROPYLÄEN-Plattform zugänglich gemacht, so dass bis 2039 sämtliche überlieferte Tagebuchaufzeichnungen Goethes auf der Plattform bereitstehen werden. Neben den edierten Texten und den dazugehörigen Erläuterungen werden erstmals auch alle Digitalisate angeboten.

Aktuell online verfügbar:

  • Daten, Übernachtungsorte sowie Digitalisate aller überlieferten Tagebucheinträge 1775 bis 1832
  • Texte und Erläuterungen 1775 bis 1787
  • Insgesamt 13 377 Einträge, davon 1185 mit Text und Erläuterungen

Die Titeldaten und Texte aller Tagebücher sind bereits durchsuchbar. Die Ergebnisse sind in einer Vorschauansicht und mit Hinweis auf die entsprechende Druckausgabe verfügbar. Aus rechtlichen oder projektinternen Gründen werden die vollständigen Texte und Erläuterungen ab 1790 jedoch erst im Laufe des Projektes sukzessive freigeschaltet.

Zur historisch-kritischen Ausgabe

Eine „tägliche […] Buchführung mit sich selbst“ war für Goethe von großer Bedeutung, wie er 1827 gegenüber Kanzler Friedrich von Müller formulierte. Seine überlieferten Tagebücher machen rund zehn Prozent seines literarischen Nachlasses aus und erstrecken sich über einen Zeitraum von 57 Jahren. Einigermaßen kontinuierliche Aufzeichnungen beginnen 1775 während Goethes erster Schweizer Reise. Ab März 1817 werden die Tagebücher so gut wie ununterbrochen geführt. Sie enden wenige Tage vor Goethes Tod im März 1832.

Die seit 1797 überwiegend diktierten Diarien sind, abgesehen von frühen Aufzeichnungen, keine ausführlichen Beschreibungen von innerem Erleben und Empfinden, sondern vor allem Dokumentation eines überaus reichen und tätigen Lebens. Mit den Jahren werden sie tendenziell immer sachlicher und konzentrierter. Das liegt auch darin begründet, dass Goethe seine Journale als Arbeitsmaterialien, zum Beispiel zur Abfassung von autobiographischen Schriften, benutzt. Nicht zuletzt in der Knappheit der Einträge und in der Vielseitigkeit von Goethes Interessen, Tätigkeiten und Beziehungen liegt der hohe Kommentierungsbedarf der Texte begründet.

Im Unterschied zur Weimarer Ausgabe von Goethes Werken, in der seine Tagebücher zwischen 1888 und 1903 erstmals vollständig publiziert, aber so gut wie nicht erläutert wurden, werden die Texte in der neuen historisch-kritischen Edition ohne Eingriffe durch die Herausgeber nach den Handschriften, die fast vollständig im Goethe- und Schiller-Archiv aufbewahrt werden, wiedergegeben. Die Edition bietet einen heutigen Standards entsprechenden Apparat, der sämtliche zeitgenössische Korrekturen und Ergänzungen sowie die Wechsel der Schreiber verzeichnet. Ein umfangreiches Register der direkt und indirekt im Tagebuch genannten Personen, Werke und Orte sowie ein Register zu Goethes Werken erschließen den Text. Ein ausführlicher Kommentar erläutert und kontextualisiert die in vielen Fällen nur angedeuteten Vorgänge.